In der Renaissance waren höfische Feste ein
wichtiger Bestandteil kulturellen Lebens, dem man auch herrschaftslegitimierende
und staatstragende Funktion zuschrieb. Entsprechend prächtig gestaltete
man Ritterturniere, Umzüge und Bankette. Bei der Hochzeit Herzog
Ludwigs von Württemberg mit Ursula Dorothea von Baden im Jahr
1575 baute man phantastische Tafeldekorationen aus Wachs, Harz,
Kreide, Zucker und Blei auf: eine Pastete in Löwenform, ein "Garten
mit Gejäg, Hunden und Hirschen", ein Wald mit Adam und Eva, die
Geburt Christi mit den Hirten und dem Zug der Könige, ein Berg
mit einem Weinbrunnen in der Mitte, einer Sau- und Hasenjagd und
lebenden Vögeln darunter.
Der berühmte Venezianer besuchte einst Stuttgart und begab sich
auch in die fürstliche Oper Herzog Carl Eugens von Württemberg .
Es soll dort zu einem denkwürdigen Vorfall gekommen sein: "(...)
Als mir eine von einem berühmten Kastraten gesungene Arie sehr gefiel,
klatschte ich. Eine Minute darauf kam ein Herr und redete auf Deutsch
in unhöflichem Ton auf mich ein. Ich erwiderte nur die vier Worte,
die besagen: Ich verstehe kein deutsch. Er ging, und ein anderer
kam, um mir auf Französisch zu sagen, es sei nicht erlaubt zu klatschen,
wenn Seine Durchlaucht im Theater sei." Casanova: "Auch gut. Ich
werde also kommen, wenn Seine Durchlaucht nicht da ist; denn wenn
mir eine Arie gefällt, kann ich nicht anders als klatschen." Kurz
darauf wünschte der Herzog Casanova zu sprechen und gestattete ihm
zu klatschen.
Übrigens, bei der nächsten Arie klatschte der Herzog, Monsieur Casanova jedoch nicht...
"Hohenheim, d. 26. Sep. Dinstag 1780
Heide wahr man die mereste Zeidt im Dörfle, ich kochde ein Zwetschgen
geseltz in meiner Kleinen Küch(...)."
"Freitag d. 8. (Juni 1781)
(...) der herzog gaben audientz u. sonsten geng nichts sonderliches
vor, auch säde ich im Dörfle Salad u. der Herzog rechneden in hinein."
"Herzallerliebstes Franzele! (...) schönstes Weible!, das Wichtigste:
Hast Du mich auch gern? Ich habe hundertmal an Dich gedacht, auch
daß Du meine Geduld beloben würdest, ja, mein Franzele ist mir immer
vor Augen. Adieu, Engel! ich küsse Dich tausendmal in Gedanken und
bin von ganzem herzen Dein bis in den Tod. der regierenden Herzogin,
meiner allerliebsten Frau in Stuttgart."
Herzog Carl Eugen von Württemberg, Kirchheim, 1786
"Es liegt ohngefähr eineinhalb kleine Stunden von Stuttgart . Wie
die Streitigkeiten mit den Landständen angingen, so faßte der Herzog
auch gegen die Stadt Stuttgart einen Unwillen und kam gar nicht
wieder dahin. Dieses gab ihm Gelegenheit zu diesem neuen Bau. Der
Herzog ließ schon ums Jahr 1764 von dem daselbst vorhandenen großen
Wald, den an der Spitze gelegenen Berg, abhauen und planieren. In
der Folge war das neue Schloss rund, wie das Pantheon herrlich aufgeführet.
Es ist zwar nicht sehr groß, aber mit sehr gutem Geschmack angelegt."
Philipp Wilhelm Gercken, um 1780
"Die Stadt ist wohlgebaut und wird von einem schönen und starken
Schlag Leute bewohnt. (...) Der Reichtum des Erdreichs und die Leichtigkeit,
bei Hofe oder vom Lande Unterhaltung zu finden, sind Ursache, daß
man hier sehr wohl lebt. Was man bei uns für 12 Personen aufsetzt,
reicht hier kaum für sechs hin. Dem Stuttgarter ist daher zu Hause
so wohl, daß er bei einer Entfernung von 6 bis 8 Meilen das Heimweh
bekömmt.
Johann Caspar Riesbeck, Brief vom 14. April
1780
"Unmöglich kann hier die Veränderung, welche kürzlich an den Deckengemälden
des
Friedrich Matthisson, 1794
"Solitude, auf einer der rauhesten Höhen der waldigen Gegend zwischen
Stuttgart und Leonberg, die ihm
Carl Eduard Vehse, Die Höfe zu Württemberg,
1853
Aus den "Bestimmungen seiner Königlichen Majestät" zur Benutzung "der
Königlichen Anlage hinter dem Königlichen Residenz Schlosse":
"Im Tal der Fluß. Auf
steilen Hügeln.
An seinen Ufern wächst der Wein,
Und auf des Abendwindes Flügeln
Zieh´n Wolken hell im Sonnenschein
Des Wandrers Blick, emporgehoben
Vom grünen Tal ins Himmelblau,
Sieht auf dem Bergesgipfel droben
der runden Kirche lichten Bau.
Hier kam zur Ruh der Strom des Lebens,
Hier ist der Toten ernste Gruft,
Hier ist das Ziel des Erdenstrebens,
Und leicht und rein ist hier die Luft.
Still scheint hier die Natur zu lauschen
Auf ihres eignen Herzens Schlag,
Und Wind und Fluß und Bäume rauschen
Ein Lied vom ewigen Feiertag."
Fjodor Iwanowitsch Tjutschew (1803-1873),
1835/36 übersetzt von Ludolf Müller
Den Schlossplatz vor dem Neuen Schloss ziert seit 1841, dem 25jährigen
Regierungsjubiläum König Wilhelms I., eine Jubiläumssäule.
Die ursprüngliche Holzsäule wurde 1844 in Granit ausgeführt, die
krönende Viktoria auf der Spitze wurde aber zunächst nicht aufgesetzt.
Bei der Bevölkerung erhielt die Säule deshalb den Spitznamen
"Landeskerzenlicht".
Der heute klassisch anmutende Landschaftspark westlich von Schloss Rosenstein beherbergte zu Zeiten König Wilhelms I. eine ausgedehnte Rinderzucht, die von den Kühen produzierte Milch wurde in der angrenzenden Meierei zu Butter und Käse verarbeitet und das Heu der großen Wiesenflächen diente als Futter fürs "Rosensteiner Vieh".
Anlässlich eines Besuches der württembergischen Residenz 1855 erhielt der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck von König Wilhelm I. die Einladung, Schloss Wilhelma, die "Villa" zu besichtigen. Diese Gunst wurde nur wenigen zuteil, Bismarck äußerte sich anerkennend über die "durchaus überraschende Originalität". Jedoch werde sich "schwerlich irgendwo wieder" eine ähnliche Sammlung "weiblicher Nuditäten" wie hier und im nahegelegenen Schloss Rosenstein finden.